Ein Platz der Stille im kargen und wilden Alentejo lädt Sie ein

Archiv für August, 2010

Ein Tag am Meer

Nach langen Tagen im Alentejo, wo die grünen Ähren der Weizenfelder im Wind wellenartig aufbrausen, kommt leicht die Sehnsucht nach dem Meer auf. Es sind nur knapp zwei Stunden Fahrzeit an einen der schönsten Strände der Algarve.

Die Fahrt durch das karge Land geht auf der neu ausgebauten Landstraße zügig und flott. Zahlreiche Telefonmasten, bevölkert von Störchenfamilien säumen die Straße. Wie ausgestorben scheinen die Straßen zu sein und nur selten sieht der eilige Fahrer einen Traktor seinen schweren Pflug über die großen Parzellen ziehen.

An der Algarve angekommen, findet sich nur schwer ein Weg  durch vielen Geisterstädte der unbewohnten Ferienhäuser. Doch ein Schild mit der Aufschrift „Galé“ führt zum begehrten Strand.

Hinter einer letzten Kurve öffnet sich der Blick auf die Küstenlandschaft der Algarve. Weitläufige Strände wechseln sich ab mit Felsformationen, die schon Jahrtausende lang, die unermüdliche Kraft des Meeres gespürt und ertragen haben.

Auf großen Klippen stehen und sitzen Angler, die mit stoischer Mine der Sonne und dem Wind trotzen. Sie sind von Natur aus immer in Erwartung von einem großen Fang.

Im Schutz eines großen Felsen bildete sich ein feiner Sandstrand. Sonnenhungrige Urlauber finden Strandliegen vor und können sich mit dem sanften Plätschern kleiner auslaufender Wellen dem Nichtstun widmen.

In einem Strandrestaurant findet sich immer ein freier Tisch und die freundliche Portugiesin preist voller Stolz die Tageskarte  an: Fisch, Fisch und nochmals Fisch. Eine zweisprachige Karte bietet weitere leckere Gerichte an. Besonders die angebotenen Salate – mit Tunfisch oder Hähnchen belegt – verwöhnen den hungrigen Gast.

Mit einem weiten Blick auf den ruhigen Atlantik fällt es sehr leicht den Alltag abzustreifen und die Gedanken, wie Schiffe auf das große Meer hinaus treiben zu lassen.

Es gibt nichts zu verbessern
nichts, was noch besser wär
außer dir im Jetzt und Hier
und ein Tag am Meer!
(aus „Einen Tag am Meer“ –  Die Fantastischen Vier)

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Steineichen sind treue Freunde

Auf dem Grundstück des Monte Leva Tempo sind zahlreiche Steineichen zu finden. Die Steineiche, lateinisch Quercus Ilex und portugiesich Azinheiras genannt, kommt wie ihre bekannte Schwester, die Korkeiche mit den harten Witterungsbedingungen im Altentejo hervorragend zurecht. Sie ist sowohl gegen Hitze als auch gegen die Kälte sehr widerstandsfähig und kommt mit wenig Regen aus.

Auch die trockenen Böden bieten der Steineiche genügend Nährstoffe und so wächst dieser immergrüne Baum langsam aber stetig zu einem großen, erhabenen und knorrigen Baum.

Eine Steineiche kann ein lange Freundschaft mit der Natur, den Tieren und dem Menschen eingehen, da sie bis zu 500 Jahre alt wir. Breit wölbt sich ihre Krone und spendet dem Unterwuchs viel Schatten.

Die hellgrünen Eicheln werden bis zu 4 cm groß und reifen in den Wintermonaten zu dunkelbraunen Früchten heran. Für die Schafe, Rinder und auch Schwarzen Schweine sind diese Eicheln ein Festmahl. Nur ungern verlassen die einzelnen Tiere „ihre“ Steineiche und wenn, dann sind sie im Sauseschritt zu einer anderen Steineiche unterwegs.

Selbst die Wildschweine haben ihre Lieblings-Steineichen und lassen sich auch durch Zäune nicht von ihrer Lieblingsspeise abhalten. Sie sind sehr nahrhaft und schmecken süßlich.

Die Eicheln der Steineiche können im Gegensatz zu den Eicheln der Korkeiche auch von Menschen gegessen werden. Sogar ein Schnaps, der Bellota, wird von den Eicheln gebrannt und als Digestiv in manchen Lokalen angeboten.

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Ein Olivenbaum als Wohltat für die Seele

Der Olivenbaum ist eine sehr alte Kulturpflanze und wurde in der Antike von den Phöniziern nach Portugal gebracht. Neben dem Haus steht ein solcher Olivenbaum, der schon einige Jahrzehnte alt sein mag.

Im April bis Mai zeigen sich seine weißen Blüten, aus denen sich nach der Befruchtung die Oliven bilden. Die unreifen Oliven sind noch grün, doch in den Wintermonaten zeigt die violette bis schwarze Farbe, dass sie reif sind. Die Vögel freuen sich bereits auf die reiche Ernte und laben sich tagelang an den reifen Oliven.

Der Olivenbaum ist perfekt an die Hitze und Trockenheit angepasst. So haben die immergrünen Blätter an der Unterseite kleine Härchen, die den Baum vor dem Austrocknen schützen.

Unter diesem Olivenbaum zu sitzen, den Blick in die Weite des Alentejos schweifen zu lassen und einen erfrischenden Wind zu verspüren, verspricht eine Wohltat für die Seele zu werden.

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Sommer im Alentejo

Die Hitze des Sommers ist unerbittlich. Das Gras ist schon lange verdorrt und der Boden trocken. Die Regenfälle des Septembers sind noch weit in der Ferne.


Mertolengas in der Mittagshitze

In der Nachbarschaft steht eine Herde von Mertolengas. Diese Rinderrasse ist  im Alentejo heimisch. Mertolengas sind zäh, widerstandsfähig und trotzen der Hitze. Sie sind gut angepasst und finden ihr Futter auf dem steinigen und kargen  Boden des Alentejos. Als Fleisch-Rinderrasse werden sie in kleinen Herden gehalten und vermehren sich natürlich.


Henrique, der Barbier

Morgens um 9 Uhr auf seinem Stuhl Platz zu nehmen, ist mehr als eine Notwendigkeit, ordentlich rasiert in den Tag entlassen zu werden. Diese Rasur ist ein besonderes Ritual. Es ist mehr, als sich zurückzulehnen und der ruhigen Hand, die die scharfe Klinge führt, zu vertrauen.

Es ist auch die genießerische Hingabe dem Duft des parfümierten Alkohols und dem erfrischenden Wedelns eines kleinen Handtuches.

Die folgende Entlohnung ist Teil des stillen Vertrages und da komme ich ins Nachdenken.

Für den gezahlten Preis erhalte ich nicht mal eine halbe Packung Zigaretten. Der fragende Blick in die tiefschwarzen Augen von Henrique, dem Barbier, bestätigt aber die Richtigkeit des großzügig aufgerundeten Geldes.

In diesen dunklen Augen sehe ich auch noch etwas anderes. Eine zufriedene, entspannte und aus dem Innersten seiner Seele herauskommende Freundlichkeit. Dieser von ihm geforderte Preis stimmt ihn überhaupt nicht unzufrieden. Auch stimmt er kein Klagelied über die hohen Kosten und Abgaben an.

Bei meinen nächsten Besuchen beobachtete ich mit großem und neugierigem Blick seinen antiquarischen Barbiersalon und seine emsige Geschäftigkeit.

Morgens führt er sein Handwerk alleine aus und bittet einen Kunden nach dem anderen freundlich auf seinen alten Stuhl. Das lederbezogene Sitzkissen wird routinemäßig nach jedem fertigen Haarschnitt gewendet. Keine Minute bleibt der Stuhl leer und unbesetzt. Unablässig und ohne Pause werden Haare geschnitten, Bärte rasiert oder Haarwuchsmittel veräußert.

Nachmittags unterstützt ihn ein junger Kollege der den zweiten Stuhl als Arbeitsplatz bestens kennt und auslastet. Henrique betreibt ein glänzend gehendes Geschäft.

Er ist nicht nur bestens über die Fußballpartien vom Vortag informiert, sondern auch ein geduldiger Zuhörer von alten Jagdgeschichten und neuestem Klatsch über die geheimsten Liebesverbindungen.

Sein Einblick in das soziale Leben der kleinen Stadt ist tief und weit vernetzt. Ein Traumjob und dies mit einer Preisliste aus dem vergangenen Jahrhundert.

Am vergangenen Sonntag bemerkte ich bei der nördlichen Ausfahrt aus dem schmucken Ort ein ansprechendes Anwesen. In landestypischer Architektur präsentierte sich ein Kleinod mit einem ganz besonderen Charme. Nahe dem Tor winkte mir freudig ein Mann, den ich nur zu gut kannte.

Es war Henrique, der Barbier.