Ein Platz der Stille im kargen und wilden Alentejo lädt Sie ein

Mir sind die Worte im Hals steckengeblieben

Am vergangenen Sonntag lagen G. und ich ganz gemütlich auf den blauen Liegen nahe des Olivenbaums im dem Bereich des Schotters und genossen die abendlichen Sonnenstrahlen. Auf einmal hörte ich G. leise sagen: „Hier ist eine Schlange!“

Ich dachte mir, oh, das ist bestimmt wieder so eine kleine, niedliche Schlange, die sich verlaufen hat.

Nein, war es nicht!

Eine große Schlange schaute mir direkt in die Augen. An der blau silbernen Farbe erkannte ich schnell, dass es sich um eine Eidechsennatter handelte. Sie hob den Kopf hoch wie eine Brillenschlange und blickte sichtbar irritiert auf uns Menschen. Dann erkannte sie die Gefahr, drehte sich blitzschnell und trat umgehend die Flucht nach hinten an.

Erst im letzten Moment erkannte sie im Stamm des Olivenbaumes ein Hindernis, das sie nicht überwältigen konnte und rettete sich über dessen linke Seite in Richtung Zaun. Mit schnellen Bewegungen suchte sie eine Möglichkeit die Mauer zu überwinden, fand einen Übergang und verschwand über die Straße im kniehohen Gras des Alentejos.

Der Schreck saß bei uns allen tief. Und „alle“ beinhaltet auch die Schlange.

Bei dem Sonntagsgast handelte es sich um eine Eidechsennatter. Die Biologen nennen sie Europäische Eidechsennatter oder lateinisch Malpolon monspessulanus und gehört zur Familie der Nattern (Colubridae).

Die Eidechsennatter ist schlank und groß. Sie kann eine Gesamtlänge von etwa 160 bis 180 Zentimeter erreichen. Einige Exemplare sind sogar bis zu 250 Zentimeter lang und sie zählt damit als die größte Schlangenart Europas. Markant ist der schlanke Kopf, der recht hoch ist und kantig wirkt. Auf dem Bild sieht man auch die großen Augen mit einer runden Pupille.

Typisch für diese Schlange ist die Periskop-Stellung, bei der sie den Kopf wie eine Kobra hochhält, um sich im Gelände einen besseren Überblick zu verschaffen.

© Fotograf Richard Kopeczky – www.herpetofauna.at

Die Eidechsennatter kommt in verschiedenen Grau- und Graubrauntönen bis oliv oder grauoliv vor wobei der Bauch grauweiß bis gelblich und dunkel ist. Ausgewachsene männliche Exemplare der Eidechsennatter sind meist einfarbig und Weibchen weisen eine Musterung aus dunklen Punkte und Flecken mit hellem Saum auf. Jungschlangen sind dagegen auffällig gemustert und haben auch auf dem Kopf eine Zeichnung.

Sind die Eidechsennattern nun giftig? Ja, sie gehören in die Kategorie der Giftschlangen. Die Eidechsennatter ist eine Trugnatter, die im hinteren Bereich des Oberkiefers verlängerte Fangzähne hat. Diese Fangzähne sind am Rand gefurcht  und mit einer Giftdrüse verbunden sind. Mit Hilfe der Zähne werden Bisswunden erzeugt, durch die giftige Sekrete aus dem Speichel der Schlange in den Körper der Beute gelangen können.

Sind diese Schlangen auch für den Mensch gefährlich?  Nein, das sind sie nicht. Da sich die Fangzähne im hinteren Bereich befinden, erreichen sie bei einem eventuellen Biss eines Menschen kaum die Haut und dieses Gift ist eher schwach, um den Mensch oder größere Säugetiere ernsthaft zu schädigen.

Die Eidechsennatter ist sehr scheu und am Tag oder in der Dämmerung aktiv. Sie ernährt sich vorwiegend von Mäusen, bodenbrütenden Vögeln wie den Rothühnern aber auch von Eidechsen.

Den Winter verbringt die Eidechsennatter in einer Ruhezeit. Nach der Winterruhe beginnt meist Ende April oder im Mai die Paarungszeit. Dies ist auch die Zeit, in der die Schlangen aktiv unterwegs sind. Eidechsennattern können bis zu 15 Jahre alt werden und sie bevorzugen für die Eiablage sandige und sonnenbeschienene Plätze.

Vermutlich wohnt die Eidechsennatter, die uns am vergangenen Sonntag einen Schreck eingejagt hat, am Rande des aufgeschütteten Gartens. Dort wurde sie schon mehrfach, wenn auch nur kurz gesehen. Einen großen Vorteil hat die Anwesenheit einer Schlange am Haus: Sie frisst auch Mäuse und Ratten, die sonst im Haus eher ungebetene Gäste wären.

Schlangen sind in Portugal häufig

In den trockenen und sommerheißen Gegenden von Portugal sind Schlangen oft anzutreffen. Erst gestern Abend hatte ich eine weitere Begegnung mit einem großen Exemplar.

Mit dem Motorrad fuhr ich auf dem Schotterweg in Richtung Cortes Sines. Mein Blick suchte an einem Weiher nach der Mauretanischen Landschildkröte, die sich gerne am Ufer von der Sonne verwöhnen lässt.

Abgelenkt von diesem Suchen bemerkte ich die auf dem Weg liegende Schlange erst im letzten Moment. Mit einem gekonnten Schlenker umfuhr ich das Ende der Schlange und rettete sie so vor dem Tod durch Überfahren. Sofort hielt ich an, zog den Helm runter und die Handschuhe aus, kramte in der Außentasche nach der Kamera und verlor nur kurz einen Gedanken an meine persönliche Angst vor den Schlangentieren. Mit den festen Motorradstiefeln und der Hose aus dickem Stoff wähnte ich mich sicher vor einer Attacke, hatte doch diese Schutzkleidung schon den Biss eines ungezogenen Hundes in Azenhas do Mar abgewehrt.

Die Kamera war sofort bereit und ich konnte in Ruhe einige Bilder von der etwa 1,5 Meter langen Schlange machen. Einige Momente war ich mir nicht sicher, ob sie nun tot war. Sie lag regungslos auf dem Weg. Doch ein kurzes Züngeln zeigte, dass sie wohl noch lebte. Nun schien sie mich wahrzunehmen und bog augenblicklich von der vermeintlichen Gefahr ab, um in wenigen Sekunden den Rückweg anzutreten und im Gebüsch zu verschwinden.

Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine Treppennatter. Zuerst ging ich davon aus, dass diese Schlange auch eine Eidechsennatter ist. Doch eine Nachfrage bei den Spezialisten von www.herpetofauna.at brachte Klarheit.

Diese Bilder zeigen eine Treppennatter, die auf der Iberischen Insel und auch in Südfrankreich heimisch ist. Ihr wissenschaftlicher Name ist Rhinechis scalaris und ist besonders in den Korkeichenwäldern anzutreffen. Zwar ist sie im Gegensatz zur Eidechsennatter  nicht giftig und doch sie gilt als aggressiv und attackiert mögliche Feinde mit heftigen Bissen. So waren meine Ängste wohl berechtigt.

Sie gilt sowohl als tag- wie auch dämmerungsaktiv und ernährt sich von Kleinsäugern bis zu Größe von kleinen Kaninchen und Vögeln. Im Winter habe ich allerdings vor der Treppennatter meine Ruhe, denn ab Oktober -November zieht sie sich in eine etwa vier bis fünf Monate andauernde Winterpause zurück.

Die folgenden wurden gestern von mir aufgenommen und zeigen ein prächtiges aber zum Glück friedliches Exemplar der Treppennatter!

Die Treppennatter wird 120 Zentimeter groß. Sie findet ihre Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel und in Südfrankreich.

Die Treppennatter ist nicht giftig aber relativ aggressiv und attackiert potentielle Feinde mit heftigen Bissen.

Die Treppennatter ist tag- und dämmerungsaktiv und ernährt sich von Kleinsäugern bis zur Größe von kleinen Kaninchen sowie von bodenbrütenden Vögeln wie dem Rothuhn.

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Eine Antwort

  1. Renate Schaefer

    auf dem weg zur muelltonne fand mein mann heute eine tote schlange, die ich fuer eine kreuzotter – auch im hinblick auf die abbildungen auf wikipedia – halte. allerdings kommen die laut wikipedia in portugal nicht vor. was meint der autor des monte leva tempo-artikels? wir sind im algarve, in einer quinta nahe albufeira daheim – betonwege, gepflegte gaerten, allerdings auch einige grundstuecke noch im urzustand. ich habe auch einige photos des wurms, weiss aber nicht, wie ich die mit diesem kommentar mitsenden kann.

    November 20, 2012 um 3:02 pm

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