Ein Platz der Stille im kargen und wilden Alentejo lädt Sie ein

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Sternenhimmel über der Serra do Serpa – Ein Zeitrafferfilm von Ralf Hettich

Es sind nur 22 Sekunden, doch dem Betrachter zeigt sich der Sternenhimmel  über der Serra do Serpa in seiner ganzen Pracht und unendlicher Schönheit. Die Milchstraße wandert scheinbar dem Nachthimmel entlang und übt eine starke Faszination auf den Wissbegierigen aus.

 


Sonnenuntergang im Alentejo – Ein Zeitrafferfilm von Ralf Hettich

Müßig fressen die Schafe das trockene Gras, während der Tag zu Ende geht und die Sonne hinter den Steineichen verschwindet.

 


Der spektakuläre Sternenhimmel zieht mich in seinen Bann

Die Abende im Alentejo können sehr langweilig sein. Können, aber müssen nicht. Kaum ist die Sonne untergegangen, verwandelt sich der Himmel mit einem Farbenspiel von gelbem und rotem Licht. Für lange Momente scheint der Horizont lichterloh zu brennen. Danach übernehmen die blauen Farbtöne die Regie und leiten die schwarze Nacht ein.

Ein Rundumblick bestätigt die menschleere und zivilisationsarme Region. Verzeinzelt zeigen sich die Laternen von Bauernhöfen, die in den letzten Jahren an das Stromnetz angeschlosssen wurden. Nur im Westen thront Beja als schmale Lichterkette auf der Horizontlinie.

Diese Dunkelheit ist eine der wichtigsten Vorraussetzungen für das Spektakel, das sich nun am Nachthimmel zeigen wird: ein funkelnder Sternenteppich spannt sich von Horizont zu Horizont. Die Milchstraße mit ihren abertausenden Sternen bildet ein helles Band am Himmel.

Galileo Galilei fand im 16. Jahrhundert heraus, dass dieses „Band“ der Querschnitt unserer Galaxie ist und aus bis zu 300 Milliarden Sternen besteht.

Wenn man sich die Galaxie als Frisbee-Scheibe vorstellt, dann befindet sich unser Sonnensystem irgendwo im äußeren Drittel und die für uns sichtbare Milchstraße ist quasi der Blick auf den Querschnitt der Frissbee-Scheibe. Wir auf der Erde sind also die Ameise, die innerhalb dieser Scheibe sitzt und von innen auf ihren Rand schaut.

Je nach Jahreszeit sieht man einen anderen Ausschnitt der Milchstraße und im Winter sieht man eher die Randbereiche.

Neben der erwähnten kaum vorhandenen Lichtverschmutzung, begünstigt auch eine geringe Luftverschmutzung die gute Sichtbarkeit des Sternenhimmels.

Die letzten Abende und Nächte boten für die Sternenbetrachtung gute Bedingungen. Der Himmel war wolkenlos, die Streulichter gering und der Mond war in der Neumondphase

Eingepackt mit einer dicken Jacke spielte ich nun die Ameise, die sich die Milchstraße nicht nur anschaut, sondern auch fotografieren möchte.

Ausgerüstet mit einem stabilen Stativ, einer hochauflösenden Kamera, einem lichtstarken Objektiv sowie einer Stirnlampe versuchte ich nun dieses Himmelsspektakel einzufangen. Die Schwierigkeit lag darin die richtige Belichtungszeit zu finden.

Durch die Erdrotation bedingt besteht bei längeren Belichtungszeiten die Gefahr, dass die Sterne nur noch als Striche abgebildet werden. Belichte ich nur kurz, dann zeigen sich nur wenige Sterne auf dem Bild.

Dieser Nachthimmel zog mich sehr stark in seinen Bann. Ich verspürte nicht nur die Stille und Weite des Alentejos. Beim Anblick der abertausenden Sterne wurde mir auch die Winzigkeit des eigenen Seins bewusst.

Sternenhimmel über dem Alentejo


Farbenspiel am Pulo do Lobo – Rio Guadiana

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Abendstimmung im Alentejo

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Verfallener Bauernhof wartet darauf wachgeküsst zu werden

 

 

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Regen ernährt die Familie von Calimente – und nicht die Millarden der EU

„Am Morgen hat der Regen eingesetzt!“. Dies war meine nüchterne Antwort auf die Frage meiner Eltern, wie denn das Wetter in Portugal sei.

Seit Freitagmorgen öffnete der Himmel seine Schleusen und es regnete ohne Unterlass. Die graue Wolkendecke wandelte sich nur gestern in dunkle Gewitterwolken um und bescherte dem Land einen Nachmittag lang Starkregen. Für Reisende mögen diese Regentage eher unerquicklich sein. Doch für die hier im Alentejo lebenden Menschen bedeutet der Regen die Sicherung der Existenz.

In den vergangenen drei Wintern fielen üppige Niederschlagsmengen, die das Land mit Wasser verwöhnte. Die kleinen und größeren Stauseen füllten sich bis zur Oberkante. Selbst der Alqueva-Stausee, der als größter Wasserspeicher von Europa gilt, vermeldete die höchsten Wasserstände seit seiner Fertigstellung im Jahr 2002.

Die regenreichen Wintermonate tauchten das Land in ein sattes Grün. Die Saat des Winterweizens ging auf und belohnte die Landwirte mit einer reichen Ernte. Auf den Wiesen blühten Gräser und Wildblumen in einer überwältigenden Farbenpracht und zeugten von einer natürlichen Artenvielfalt, die in Mitteleuropa auf den intensiv genutzten Flächen schon lange nicht mehr anzutreffen ist.

Die Schafe, Ziegen und Rinder labten sich genüsslich an den saftigen Gräsern und verstanden die wohlschmeckenden Blüten als Extrazugabe.

Das natürliche Futterangebot war so reichlich, dass der Schafmilchbauer Calimente keinerlei Zusatzfutter einkaufen und verfüttern musste. Dies veranlasste ihn auch, seine Herde an Milchschafen auf 120 Tiere aufzustocken. Das morgendliche und abendliche Melken der Schafe wurde von der Käserei gut belohnt und sicherte Calimente sowie seinem Bruder Antonio die Existenz auf dem weiß getünchten Bauernhof inmitten der Serra do Serpa.

Der Blick von Calimente trübte sich in den letzten Wintermonaten zunehmend ein. Die ersehnten Regenfälle blieben Woche für Woche aus. Ein Sonnentag reihte sich an den anderen und kaum eine Wolke bereicherte den strahlend blauen Winterhimmel.

Bis Februar hielten seine Vorräte an Stroh und Heu, dann griff er zum Telefon und gab schweren Herzens die erste Bestellung für Tierfutter auf und setzte damit seine ganzen Ersparnisse und bescheidenen Gewinne der letzten Jahre ein.

Der ausbleibende Regen ließ den eingesäten Winterweizen verkümmern und je länger die Trockenzeit andauerte, um so geringer war die Aussicht, dass sich die Frucht noch erholen und gedeihen würde.

Calimente brachte die wirtschaftliche Situation von Portugal auf den Punkt: Portugal braucht keine Milliarden von der EU, denn dieser Geldregen versickert in die Banken, Portugal braucht Regen, denn dieser Regen ernährt seine Familie.

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