Ein Platz der Stille im kargen und wilden Alentejo lädt Sie ein

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Der spektakuläre Sternenhimmel zieht mich in seinen Bann

Die Abende im Alentejo können sehr langweilig sein. Können, aber müssen nicht. Kaum ist die Sonne untergegangen, verwandelt sich der Himmel mit einem Farbenspiel von gelbem und rotem Licht. Für lange Momente scheint der Horizont lichterloh zu brennen. Danach übernehmen die blauen Farbtöne die Regie und leiten die schwarze Nacht ein.

Ein Rundumblick bestätigt die menschleere und zivilisationsarme Region. Verzeinzelt zeigen sich die Laternen von Bauernhöfen, die in den letzten Jahren an das Stromnetz angeschlosssen wurden. Nur im Westen thront Beja als schmale Lichterkette auf der Horizontlinie.

Diese Dunkelheit ist eine der wichtigsten Vorraussetzungen für das Spektakel, das sich nun am Nachthimmel zeigen wird: ein funkelnder Sternenteppich spannt sich von Horizont zu Horizont. Die Milchstraße mit ihren abertausenden Sternen bildet ein helles Band am Himmel.

Galileo Galilei fand im 16. Jahrhundert heraus, dass dieses „Band“ der Querschnitt unserer Galaxie ist und aus bis zu 300 Milliarden Sternen besteht.

Wenn man sich die Galaxie als Frisbee-Scheibe vorstellt, dann befindet sich unser Sonnensystem irgendwo im äußeren Drittel und die für uns sichtbare Milchstraße ist quasi der Blick auf den Querschnitt der Frissbee-Scheibe. Wir auf der Erde sind also die Ameise, die innerhalb dieser Scheibe sitzt und von innen auf ihren Rand schaut.

Je nach Jahreszeit sieht man einen anderen Ausschnitt der Milchstraße und im Winter sieht man eher die Randbereiche.

Neben der erwähnten kaum vorhandenen Lichtverschmutzung, begünstigt auch eine geringe Luftverschmutzung die gute Sichtbarkeit des Sternenhimmels.

Die letzten Abende und Nächte boten für die Sternenbetrachtung gute Bedingungen. Der Himmel war wolkenlos, die Streulichter gering und der Mond war in der Neumondphase

Eingepackt mit einer dicken Jacke spielte ich nun die Ameise, die sich die Milchstraße nicht nur anschaut, sondern auch fotografieren möchte.

Ausgerüstet mit einem stabilen Stativ, einer hochauflösenden Kamera, einem lichtstarken Objektiv sowie einer Stirnlampe versuchte ich nun dieses Himmelsspektakel einzufangen. Die Schwierigkeit lag darin die richtige Belichtungszeit zu finden.

Durch die Erdrotation bedingt besteht bei längeren Belichtungszeiten die Gefahr, dass die Sterne nur noch als Striche abgebildet werden. Belichte ich nur kurz, dann zeigen sich nur wenige Sterne auf dem Bild.

Dieser Nachthimmel zog mich sehr stark in seinen Bann. Ich verspürte nicht nur die Stille und Weite des Alentejos. Beim Anblick der abertausenden Sterne wurde mir auch die Winzigkeit des eigenen Seins bewusst.

Sternenhimmel über dem Alentejo


Farbenspiel am Pulo do Lobo – Rio Guadiana

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Verfallener Bauernhof wartet darauf wachgeküsst zu werden

 

 

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Mountainbike-Wettbewerb SRP160 – Ab in die Pfütze mit Hurra!

Gestern fand das Mountainbike-Rennen SRP160 statt. Der Start war in Serpa und etwa 500 Teilnehmer sind bei strömendem Regen und starkem Wind  80 bz. 160 Kilometer durch die Serra do Serpa gefahren. Die Strecke führte am Monte Leva Tempo vorbei. Da konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und habe ein paar Bilder von den Protagonisten gemacht.

Für Interessierte: Unter der Homepage www.srp160.com kann man Einzelheiten über die Veranstaltung erfahren. Ganz Mutige können sich für das nächste Jahr anmelden und so die faszinierende Landschaft des Alentejos hautnah erleben.


Aprilwetter im Alentejo

Gedämpft neigt sich der Tag zu Ende. Der  Horizont zeigt sich nebelverhangen und gibt den Blick auf grüne und gelbe Farben frei.

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Regen ernährt die Familie von Calimente – und nicht die Millarden der EU

„Am Morgen hat der Regen eingesetzt!“. Dies war meine nüchterne Antwort auf die Frage meiner Eltern, wie denn das Wetter in Portugal sei.

Seit Freitagmorgen öffnete der Himmel seine Schleusen und es regnete ohne Unterlass. Die graue Wolkendecke wandelte sich nur gestern in dunkle Gewitterwolken um und bescherte dem Land einen Nachmittag lang Starkregen. Für Reisende mögen diese Regentage eher unerquicklich sein. Doch für die hier im Alentejo lebenden Menschen bedeutet der Regen die Sicherung der Existenz.

In den vergangenen drei Wintern fielen üppige Niederschlagsmengen, die das Land mit Wasser verwöhnte. Die kleinen und größeren Stauseen füllten sich bis zur Oberkante. Selbst der Alqueva-Stausee, der als größter Wasserspeicher von Europa gilt, vermeldete die höchsten Wasserstände seit seiner Fertigstellung im Jahr 2002.

Die regenreichen Wintermonate tauchten das Land in ein sattes Grün. Die Saat des Winterweizens ging auf und belohnte die Landwirte mit einer reichen Ernte. Auf den Wiesen blühten Gräser und Wildblumen in einer überwältigenden Farbenpracht und zeugten von einer natürlichen Artenvielfalt, die in Mitteleuropa auf den intensiv genutzten Flächen schon lange nicht mehr anzutreffen ist.

Die Schafe, Ziegen und Rinder labten sich genüsslich an den saftigen Gräsern und verstanden die wohlschmeckenden Blüten als Extrazugabe.

Das natürliche Futterangebot war so reichlich, dass der Schafmilchbauer Calimente keinerlei Zusatzfutter einkaufen und verfüttern musste. Dies veranlasste ihn auch, seine Herde an Milchschafen auf 120 Tiere aufzustocken. Das morgendliche und abendliche Melken der Schafe wurde von der Käserei gut belohnt und sicherte Calimente sowie seinem Bruder Antonio die Existenz auf dem weiß getünchten Bauernhof inmitten der Serra do Serpa.

Der Blick von Calimente trübte sich in den letzten Wintermonaten zunehmend ein. Die ersehnten Regenfälle blieben Woche für Woche aus. Ein Sonnentag reihte sich an den anderen und kaum eine Wolke bereicherte den strahlend blauen Winterhimmel.

Bis Februar hielten seine Vorräte an Stroh und Heu, dann griff er zum Telefon und gab schweren Herzens die erste Bestellung für Tierfutter auf und setzte damit seine ganzen Ersparnisse und bescheidenen Gewinne der letzten Jahre ein.

Der ausbleibende Regen ließ den eingesäten Winterweizen verkümmern und je länger die Trockenzeit andauerte, um so geringer war die Aussicht, dass sich die Frucht noch erholen und gedeihen würde.

Calimente brachte die wirtschaftliche Situation von Portugal auf den Punkt: Portugal braucht keine Milliarden von der EU, denn dieser Geldregen versickert in die Banken, Portugal braucht Regen, denn dieser Regen ernährt seine Familie.

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Ein Abend bei Agostinho, im gastronomischen Herzen des Alentejos

Es stand schon lange an Carlos und seine Frau Telma für ihre unterstützende Hilfe zum Essen einzuladen. Da bot es sich an, das im nahelegene Vale do Poco gelegene Café Restaurante Agostinho zu besuchen.

Von Neonröhren hell erleuchtet, zeigt sich ein aufgeräumtes und schlichtes Bild der Gaststätte. Neben der nüchtern gehaltenen Beleuchtung sind die weißen Fließen ein auffälliges Merkmal der einfachen Landgastronomie. Zwar scheint die Gemütlichkeit durch den Kamin gefeuert zu sein, doch zwei ältere Männer halten sich bei Ziegenkäse, eingelegten Oliven und einfachen Rotwein auf.

Der kühle Charme dieses Wirtshauses wird ausgeglichen durch eine ausgesprochene Sauberkeit. Mangels geräuschdämpfender Dekoration sind die Tischnachbarn und die Küchenfee sehr gut zu verstehen und der Wirt zeigt sich kundenorientiert, indem er gerne ein Glas vom roten Wein mittrinkt.

Essen gehen im Alentejo bedeutet, Essen gehen im Land der schwarzen Schweine. Das iberische Hausschwein, auch Pata negra in Spanien und eben in Portugal proco preto genannt ist das wichtigste Gericht. Diese Köstlichkeit ist freilaufend und ernährt sich von den Eicheln und Wurzeln. Und da der Wirt gleichzeitig auch Schweinezüchter ist, kommt das gute geschmacksreiche Stück Schweinefleisch aus eigener Zucht, Haltung und Schlachtung.

So übersichtlich die Gaststube ist, so einfach ist auch die Speisekarte gehalten. Ein großer Holzkohlengrill spielt die Hauptrolle in der Küche und so werden köstliche Grillspezialitäten angeboten.

Die Speisekarte weist folgende Gerichte aus:

  • Kalbskotlett vom Grill
  • Lammkotlett vom Grill
  • Schweinekotlett vom Grill
  • Paniertes Hähnchenschnitzel
  • Fleischspieß vom Porco preto
  • Stockfisch gegrillt oder gekocht
  • Saftige Schnitzel vom Porco preto

Die Mehrwertsteuer von 13 Prozent ist inbegriffen!

Zum Trinken steht eine reichhaltige Weinkarte zur Verfügung:

Empfehlen kann ich den Rotwein von der Herdade do Pinheiro. Es ist ein Wein aus dem Alentejo, schmeckt fruchtig sowie gehaltreich und ich nenne ihn meinen Lieblingsrotwein.

Die Preise beziehen sich wohlgemerkt auf eine Flasche.

Weiter unten finden sich noch Vinho Verdes, junge Weißweine aus dem Norden, die besonders in den heißen Sommermonaten munden.

Natürlich wird an diesem Abend Secretos de Porco preto bestellt und gegessen. Dies ist ein wahrhafter Leckerbissen von einem gut gegrillten und saftigen Stück Schweinefleisch. Als Vorspeise gibt es einen sehr feinen Ziegenkäse von der örtlichen Ziegenkäserei.

Das Fleisch wird auf einer großen Platte serviert und mit großem Appetit essen wir alles auf. Zum gegrillten Fleisch werden unbegrenzt Pommes frites gereicht, die auch ungegrenzt von Fett triefen. Aber, es gibt nichts anderes dazu, so einfach ist das. Eher als Alibi, denn mit appetitanregender Funktion wird in einer Schüssel noch Blattsalat mit großen Tomatenscheiben gereicht

Die Frage nach dem Nachtisch löst der Herr des Hauses sehr geschickt. Er holt  einen Spickzettel heraus und liest cirka 7 verschiedene Nachtische herunter.

Was höre ich da? Mousse au Chocolate? Für mich ein Klassiker. Wenn die Mousse au Chocolate schmeckt, dann versteht die Küche ihr Handwerk. Und so ist es. Die zartbittere luftige Schokoladencreme schmeckt wirklich lecker.

Die Frau des Hauses ist in der Küche die Größe und weiß auch zu kochen. Mit Witz und viel Ehrlichkeit verrät sie mir dann, bei uns am Tische sitzend, das Rezept der selbstgemachten Mousse au Chocolate.

Angeregt unterhalten wir uns lange über die ehrliche Küche des Alentejos, denn ein Abend bei Agostinho, ist ein Abend im gastronomischen Herzen des Alentejos.

P.S.: Das Café Restaurante Agostinho hat seinen Ruhetag am Dienstag. Abends gibt es Essen zwar nur auf Vorbestellung, doch der Grill ist immer an. Ein Tisch kann unter der Nummer 284 595 185 oder 936 350 134 bestellt werden.